Ein Tag ohne Strom

Im Rahmen der Klimachallenge einen Tag lang komplett auf Strom verzichten – so weit die Idee. Doch schnell wird mir klar, dass ich das doch nicht ohne weiteres umsetzen kann. Zu viel hätte ich im Voraus planen müssen, etwa, was ich essen soll und wie ich morgens ohne Handy rechtzeitig wach werde, um meinen Termin wahrzunehmen.
 
Inspiriert zum stromfreien Tag war ich durch Colin Beavan, aka No Impact Man. Im gleichnamigen Film begleitet man ihn und seine Familie, wie sie ein Jahr lang auf das Ziel zuarbeiten, keine negativen Auswirkungen auf die Umwelt zu haben. Irgendwann sind sie soweit, den Strom ihrer Wohnung abzustellen. Statt eines Kühlschranks benutzen sie zwei ineinander gestapelte Tontöpfe, zwischen denen eine Schicht Wasser den Inhalt des inneren Topfes kühlt; statt Fernsehen und Smartphone lesen sie Bücher, spielen Karten und wachsen im Schein des Kerzenlichts als Familie enger zusammen.
 
Um mich trotzdem einer Herausforderung zu stellen – wenn ich auch nicht komplett auf Strom verzichte – beschließe ich, einen Tag lang ohne Unterhaltungsmedien zu verbringen, ganz so, wie wir es in einem vergangenen Post vorgeschlagen haben. Das bedeutet in meinem Fall vor allem, keinen Laptop, mit dem ich Mails checke, Nachrichten lese, Serien schaue und meistens sinnfrei durchs Netz surfe, sowie kein Handy, auf dem ich hauptsächlich Musik höre und hin und wieder Snake spiele.
 
Warum das ganze? Erstens, um weniger Strom zu verbrauchen und somit der Umwelt etwas Gutes zu tun. Und zweitens, um mich einmal von der digitalen Welt zu entkoppeln und meinen Tag mit sinnvollen Alternativen zu Netflix und Co. zu gestalten.
 
 
Mein stromfreier Tag startet sehr früh. Mein Handy klingelt, doch nachdem es mich geweckt hat, stelle ich es aus, um nicht in die Versuchung zu kommen, meine Mails, Telegram-Nachrichten oder tagesaktuelle Nachrichten zu lesen. Stattdessen bleibt mir ein wenig zu Zeit zu schlummern und in aller Ruhe mein Essenspaket für den Tag vorzubereiten.
 
Denn für meinen stromfreien Tag habe ich mir etwas besonderes überlegt: ich besuche einen Erste-Hilfe-Kurs. Damit mache ich es mir natürlich ein wenig einfach, denn so habe ich ohnehin bis zum späten Nachmittag kaum eine Chance, auf Laptop oder Handy zuzugreifen. Doch diesen Kurs wollte ich schon seit ein paar Wochen besuchen, da es mir wichtig scheint, das Wissen, das ich vor knapp zehn Jahren zum ersten Mal erlangt habe, wiederaufzufrischen. Sollte jemand um mich herum jemals in Not geraten, möchte ich vorbereitet sein und Erste Hilfe leisten können.
 
Ich schwinge mich also um 8 Uhr auf mein Fahrrad, radle zum Kurs und bin gespannt auf den Input! Nach etwa acht Stunden halte ich eine Teilnahmeurkunde sowie ein kleines Buch mit einer Zusammenfassung all dessen in meinen Händen, was wir im Kurs gelernt haben. Der Kurs hat Spaß gemacht und ich bin froh, mir die Zeit genommen zu haben.
 
Den Großteil des Tages habe ich mit links hinter mich gebracht! Doch in dem Moment, indem ich mich auf den Heimweg mache, spüre ich dieses kleine Verlangen in mir, zuhause den Laptop aufzuschlagen und zu schauen, wer mir geschrieben hat, was die Nachrichten berichten und welches Video mein Lieblings-Youtuber heute gepostet hat.
 
Ich versuche den Gedanken abzuschütteln und tüftele erst einmal in der Küche vor mich hin. Als meine Mitbewohnerin nach Hause kommt, verwickele ich sie in ein Gespräch, weil ich nicht weiß, was ich ansonsten mit mir anfangen soll. Irgendwie graut es mir davor, den ganzen Abend nichts zu tun zu wissen, als ein Buch zu lesen. Viele der Dinge, mit denen ich mich gewöhnlicherweise beschäftige, geschehen online oder zumindest mithilfe meines Laptops.
 
 
Was mir dieser Abend deutlicher zeigt, als ich es noch am Morgen geglaubt hätte: ich verbringe unheimlich viel Zeit mit Arbeit und mit Unsinn am Laptop. Als ich heute aber strikt weder Laptop noch Handy anschalte, merke ich, wie ich aus einem kleinen Dunstkreis auftauche, der mich sonst umgibt. Am PC vergehen manchmal Minuten, halbe Stunden und Stunden, ohne dass ich selbst etwas tue. Stattdessen konsumiere ich Nachrichten und Mails, Videos und Musik, Bilder und Serien. Mein Verlangen, den Laptop zu starten, schwindet allmählich dahin und ich setze mich damit auseinander, wie klar ich mich deswegen heute fühle.
 
Den restlichen Abend verbringe ich letztendlich doch damit, zwei Bücher zu Ende zu lesen und früh ins Bett zu gehen. Wenngleich ich an meinem stromfreien Tag also nicht großartig produktiv und kreativ geworden bin, merke ich, dass ich mich weniger eingenebelt fühle und klarer denken kann. Das hatte ich wirklich nicht erwartet und es erschrickt mich ein wenig – insbesondere, weil ich weiß, dass es schon im Laufe der nächsten Tage sein wird wie zuvor.
 
Darum nehme ich mir den ganz konkreten Wunsch aus dieser eintägigen Challenge mit, auch in Zukunft stromfreie bzw. Laptop und Handy freie Tage einzulegen. Stattdessen ein Buch zu lesen, in aller Ruhe zu kochen, mich zu unterhalten, spazieren zu gehen, ein Nickerchen zu machen oder nachzudenken.
 
Ich kann mir vorstellen, dass es uns allen guttun würde, das Handy öfter beiseite zu legen, dem Gegenüber zuzuhören oder dem nachzuhorchen, was im eigenen Körper und Geist vor sich geht. Besser für die Umwelt ist es außerdem. 🙂