Be the Change

Müll als Entspannungsprogramm

Der berühmte Autor Erich Kästner hat mal sehr treffend formuliert: „Es gibt nichts Gutes. Außer man tut es.“
 
Genauso ist es mit den Plastikmüll, den wir notgedrungen in unseren Einkaufstaschen mit nach Hause tragen und dem fremden To-go-Becher, der einen Meter neben dem Mülleimer an der Bushaltestelle liegt. Wir regen uns über die Verpackungsindustrie auf oder über die ignoranten Mitmenschen. Aber dass man auch selbst etwas tun kann, kommt vielen gar nicht in den Sinn.
 
Nach zahlreichen Fernsehreportagen über gigantische Mülldeponien im Ausland, Wale mit Dutzenden Plastiktüten im Magen und die Verlogenheit des deutschen Recyclingsystems haben mich die Themen Müll und Zero Waste nicht mehr losgelassen. Ich fing an, meine eigene Zahnpasta und Waschmittel anzurühren und mir Dinge wie eine Stahlflasche, einen Tiffin und Stoffbinden anzuschaffen. Bei einem einzigen Einmachglas Müll im Jahr bin ich noch lange nicht angekommen, aber wie heißt es so schön: „Wir brauchen nicht eine Handvoll Leute, die perfekt müllfrei leben, sondern Millionen Menschen, die versuchen müllfrei zu leben.“
 
 
Vom Schnäppchenjäger zum Müllsammler
 
Früher war meine Lieblingsbeschäftigung am Samstag, in die Stadt zu gehen, in zig Geschäften zu stöbern und Schnäppchen zu ergattern. Dinge anzuhäufen, die ich nur einmal ansehe oder sogar unbenutzt in den Schrank lege. Früher war das Entspannung für mich nach einer anstrengenden Arbeitswoche. Heute ist mir das absolut fremd. Mein Entspannungsprogramm sieht jetzt anders aus. Ich jage keine Schnäppchen, ich jage Müll. Ich treffe mich mit Freunden und auch mit fremden Menschen, um zusammen Müll von den Straßen, aus Gebüschen und Flüssen zu sammeln. Denn ich will nicht nur mein eigenes Gewissen beruhigen, ich will anderen ins Gewissen reden – und zwar ohne zu reden.
 
Manchmal reicht schon ein kleiner Denkanstoß. Ein Wink mit dem Zaunpfahl. Oder mit der Müllzange. Bereits eine kleine Zigarettenkippe kann mehr als 40 Liter Grundwasser vergiften oder wird versehentlich von einem Tier verschluckt. Flaschenscherben am Straßenrand sind ein Graus für jeden Fahrradfahrer und Hundebesitzer. Plastikmüll benötigt Jahrhunderte, bis er sich zu Mikroplastik zersetzt. Und auch dann ist es immer noch eine unberechenbare Gefahr für unseren Planeten und für uns Menschen.
 
 
Und was bringt das?
 
Mit einem CleanUp retten wir nicht die ganze Welt, aber wir können ein gutes Vorbild für andere sein, unsere Stadt ein bisschen schöner machen und vielleicht das ein oder andere Tier vor einem qualvollen Tod bewahren. Ganz egal, ob hier in Bremen, an der Ostsee oder im Urlaub in Thailand. Ihr macht damit überall den entscheidenen Unterschied, der hoffentlich irgendwann Normalität auf der ganzen Welt ist.
 
Katrin
alias @sunday_cleanup auf Instagram

Initiatorin der Facebook-Gruppe „Plogging in Bremen“
 
(Der Begriff „Plogging“ setzt sich aus dem schwedischen Wort „plocka“ für Aufheben und Joggen zusammen)